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05.09.2018, 09:55 Uhr | Bericht aus der WN vom 31.08.2018
Immer mehr Sauenhalter geben auf- Eine riesige Ferkelei
Matthias Finkenbrink ist Sauenhalter. Einer von nur noch zwei Landwirten in Freckenhorst, die ihr Geld mit der Ferkelerzeugung verdienen. Die Branche ist von Zukunftsängsten geplagt. „Bundesweit haben in den letzten zehn Jahren 70 Prozent der Sauenhalter aufgegeben“, erzählt Finkenbrink und fügt hinzu: „Ich hätte nie gedacht, dass die Politik uns so im Stich lässt. “ Von Beate Kopmann


Damit meint er vor allem die Ferkelkastration. Im Moment erhalten die Tiere bei diesem Eingriff lediglich Schmerzmittel. Aber ab dem 1. Januar 2019 soll die betäubungslose Kastration in Deutschland verboten werden. „Wir müssten dann den Tierarzt rufen, um die Betäubung durchführen zu lassen.
Matthias Finkenbrink hält 300 Muttersauen. Das Foto zeigt ihn in der Abferkelbucht mit drei Wochen alten Ferkeln. Foto: Beate Kopmann
Diese Kosten würden auf den Ferkelpreis draufgeschlagen werden. „Dann sind wir nicht mehr konkurrenzfähig“, ist sich Finkenbrink sicher. Denn schon heute würde Deutschland zwölf Millionen Ferkel im Jahr importieren – überwiegend aus Dänemark und den Niederlanden. „In diesen Ländern dürfen die Landwirte ihre Tiere aber selbst betäuben und haben damit einen klaren Wettbewerbsvorteil.“  „Der Verbraucher stimmt mit dem Portemonnaie ab – und das sieht an der Ladentheke meistens anders aus als bei Umfragen.

 Auch die Kastenhaltung soll verboten werden – nur wissen die Bauern nicht, welche Vorgaben auf sie zukommen. „Wir können aber nicht alle fünf Jahre unsere Ställe umbauen“, ärgert sich Finkenbrink, der für die 226 Sauenhalter spricht, die es im Kreis Warendorf derzeit gibt. Viele von ihnen seien vermutlich sogar bereit, Offenställe zu bauen. Doch das würde oft am Emmissionsschutzgesetz scheitern. „Die so genannten Außenklimaställe setzen natürlich Gerüche frei. Das nennt der Gesetzgeber dann ,diffuse Abluft‘ und die wird oft verboten.“

Dass die Sauenhalter verlässliche, tierwohlgerechte und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen brauchen, dafür macht sich der Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum (CDU) stark. Er betont: „Wie soll der Handel Schweinefleisch aus der Region anbieten, wenn deutsche Sauenhalter aufgeben und die Ferkel aus den Niederlanden und Dänemark kommen.“

Denn dass der Verbraucher wirklich bereit ist, für mehr Tierwohl auch mehr zu bezahlen, glaubt Finkenbrink nicht. „Der Verbraucher stimmt mit dem Portemonnaie ab – und das sieht an der Ladentheke meistens anders aus als bei Umfragen.“ Finkenbrink hofft, dass es zumindest bei der Ferkelkastration noch eine neue Lösung geben wird. Das Land Nordrhein-Westfalen will sich im Bundesrat nämlich für eine Verschiebung des Stichtags einsetzen. Das soll den Weg frei machen für eine lokale Betäubung, wie sie auch in Dänemark und den Niederlanden erlaubt ist.