Keine sicheren Prognosen

Podiumsdiskussion des Industrieclubs mit den Landtagskandidaten im Südkreis

04.05.2017, 08:40 Uhr | Bericht aus der WN vom 04.05.2017

-Ralf Steinhorst- Ahlen - „Fünf ist Trümpf“ konnte man humorvoll die Zusammensetzung der Diskussionsrunde des Ahlener Industrie- und Wirtschaftsclubs (IWC) zur Landtagswahl beschreiben, gemäß eines historischen Werbeslogans der Deutschen Post. Ursprünglich waren zu der Runde nur die Landtagskandidaten von CDU, Grünen und SPD eingeladen, auf Intervention der FDP bekamen auch die Liberalen und Die Linke noch einen Platz auf dem Podium.

So war der IWC-Vorsitzende Jürgen Henke froh, dass Reiner Jenkel (Linke) und Markus Diekhoff (FDP) die Irritation mit Humor trugen. „Wir sind eigentlich eine unpolitische Lobbyvertretung“, entschuldigte Henke sich noch mal im Nachhinein, man habe den Rahmen klein halten wollen.


Zunächst leiteten die Landtagskandidaten im Südkreis Warendorf mit ei­ner persönlichen Vorstellung die Runde ein, ehe sie dann auf Grundlage von Wahlplakaten in Kurzform ihre Botschaften erklären sollten. FDP-Kandidat Markus Diekhoff forderte eine Bildungsoffensive gerade im digitalen Bereich: „Schule muss digitale Bildung vermitteln – in der Schule ist jetzt nur Kreidezeit.“ Aber auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssten sich verbessern, schließlich schlafe die Konkurrenz in Asien nicht.

Annette Watermann-Krass (SPD) setzte bei der Verbesserung von Bildung schon früher an, nämlich im Vorschulalter: „Was in den ersten sechs Jahren an Unterstützung da ist, trägt durchs Leben.“ Eltern müssten mehr entlastet, Erzieherinnen mehr unterstützt werden, so ihr Credo. Das Thema Bildung sah auch Ali Bas (Grüne) als einen Schwerpunkt und beklagte den Fachkräftemangel im ländlichen Raum. Ein weiterer Schwerpunkt grüner Politik liegt naturgemäß in der Förderung erneuerbarer Energien. „NRW ist Spitzenreiter bei den Zulieferern in Elektromobilität“, stellte Bas fest.

„Wir Restfalen müssen uns artikulieren“, sah sich Henning Rehbaum (CDU) zuallererst als Vertreter der Bürger der Region und will eine rheinisch-ruhrgebietliche Dominanz verhindern. Das Thema Sicherheit stand bei ihm ganz oben auf der Agenda und damit die Aufstockung der Polizeikräfte. Dabei dürfe auch die ideelle Unterstützung von Polizei- und Rettungskräften nicht unberücksichtigt bleiben.

Linke-Kandidat Reiner Jenkel wünschte sich den Wiedereinzug seiner Partei in den Landtag. Das Thema Gerechtigkeit stellte er in den Mittelpunkt: „Ein Mindestlohn von zwölf Euro schützt vor Armut und müsste umsetzbar sein.“

Nach der Einführungsrunde verabschiedeten sich die Kandidaten dann in Kleingruppen, wo sie sich den Fragen der Besucher stellten. Hier kamen dann zusätzlich die Themen Bürokratie, Haushaltsfinanzierung, Hygieneampel, Ausbildung sowie Integration und Flüchtlinge ins Gespräch. Bei der Bewertung der Wahlprognosen in der Abschlussrunde zeigte sich eine große Verunsicherung bei allen Kandidaten. Alle bezweifelten, dass die Wahl schon jetzt gelaufen ist, mögliche Koalitionen erst am Wahlabend feststehen werden. Es bleibt also spannend.

Ralf Steinhorst