„Haugdütsk un Plattdütsk“

Der CDU-Abgeordnete Henning Rehbaum (CDU) stellte die Landtagsstenografen vor eine neue Aufgabe

16.07.2014, 10:40 Uhr
Henning Rehbaum (CDU) sorgte Anfang Juli nicht nur für viel Heiterkeit im Parlament, er stellte die Stenografen auch vor eine schier unlösbare Aufgabe. Er hielt seine Rede vor dem Parlament auf Plattdeutsch.
Henning Rehbaum (CDU) sorgte Anfang Juli nicht nur für viel Heiterkeit im Parlament, er stellte die Stenografen auch vor eine schier unlösbare Aufgabe. Er hielt seine Rede vor dem Parlament auf Plattdeutsch.

-Uwe Renners- Rheine/Düsseldorf/Ahlen - „Die graute Vergangenheit von de plattdütsken Spraok to bewünnern is de eene Sake. Mettohelpen, datt de plattdütske Spraok ne lebennige Tokunft hätt, auk dat is urse Aufgabe äs Parlament von Nordrhein-Westfaolen“, sprach der Ahlener Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum von der CDU im Düsseldorfer Landtag und brachte dabei nicht nur seine Abgeordnetenkollegen ins Schwitzen. „Das war schon etwas ganz Besonderes“, sagt Franz-Josef Eilting. Der 64-Jährige Rheinenser ist seit 35 Jahren Landtagsstenograf „und so etwas habe ich auch noch nicht erlebt“. Rehbaum war Anfang Juli ans Rednerpult getreten, um dem CDU-Antrag zur Errichtung einer Fachstelle zur Förderung der Niederdeutschen Sprachpflege Nachdruck zu verleihen. Und er sprach Plattdeutsch vor dem Parlament.
 

 Laut Landtagsprotokoll auch für die Präsidentin Carina Gödecke in ihrer 29-jährigen Abgeordnetengeschichte ein Novum. „Das haben vielleicht zwei oder drei Abgeordnete verstanden, der Rest nicht“, erzählt Eilting, der selbst dabei war, als einer von zwölf Stenografen. Aber er war der einzige, der den CDU-Mann auch verstanden hat. „Meine Kollegin musste protokollieren und kam, weil sie Hilfe benötigte“, sagt Eilting, der das Platt noch von seinen Eltern kennt und regelmäßig die plattdeutschen Kolumnen im Rheiner Lokalteil liest. „Herr Rehbaum hat uns die Rede nachher schriftlich zur Verfügung gestellt, inklusive Übersetzung. Die haben wir dem Protokoll hinzugefügt“, sagt Eilting. Nur bei einer Zwischenfrage, die er auch auf Plattdeutsch beantwortete, musste Eilting selbst übersetzen. „Das waren aber nur zwei Sätze“. Ob die Rede in Sachen Rechtschreibung in Ordnung geht, weiß Eilting nicht genau: „Wir haben uns auf die Übersetzung verlassen“, sagt er.
 
Als dann aber auch noch ein Vertreter der Piratenfraktion, er kommt aus der Ecke Kiel in Schleswig-Holstein, ans Mikro gegangen sei und seine Rede in Mundart gehalten habe, „da habe ich auch nichts mehr verstanden“, erinnert sich der 64-Jährige, der in Hochdeutsch 300 bis 350 Silben pro Minute schreiben kann. „Es gibt ein paar Abgeordnete, die schneller reden als ich schreibe“, berichtet er.
 
Generell werde heute schneller im Landtag gesprochen als vor ein paar Jahrzehnten. Dies könne man auch an den protokollierten Seiten sehen. Eilting: „In einer Parlamentsstunde in den 50er-Jahren wurde weniger gesprochen. Aber das liegt wohl daran, dass die ganze Welt schneller geworden ist.“ Ob die Abgeordneten nur schneller sprechen oder auch mehr zu sagen haben in der Zeit, lässt er offen: „Da möchte ich nichts zu sagen.“
 
Der Antrag der CDU ist übrigens mit der Mehrheit von SPD und Grünen abgelehnt worden. Und die Abgeordneten haben zumindest behauptet, es habe nicht daran gelegen, dass sie Henning Rehbaum nicht verstanden haben. Da half auch nicht sein Aufruf, dass Plattdeutsch keine Parteigrenzen kennt: „Plattdütsk kennt kine Parteigrenzen: Laot urs tosammen stimmen för Plattdütsk met Tokunft in Nordrhein-Westfaolen!“

Bitte klicken Sie auf den Link um die Rede zu lesen: 

Plattdeutsche Rede im Landtag vom 04.07.2014

Übersetzung der Rede im Landtag vom 04.07.2014



Hier können Sie auf den Videolink gehen um die Rede im Landtag zu hören: 

Videolink