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13.02.2019, 08:15 Uhr
Naturschutz und Landwirtschaft am Harberg
Neubeckum. Landwirtschaft und Naturschutz – was Umweltverbände als Konflikt sehen, sieht man in Neubeckum am Harberg als Chance. Die Harberg KG, ein konventioneller landwirtschaftlicher Betrieb mit Schweinemast und Ackerbau, den die Landwirte Lothar Stumpenhorst und Christoph Tentrup-Beckstedde betreiben gilt seit 2016 als „Leitbetrieb für Biodiversität“.
Schon lange hatte sich Lothar Stumpenhorst um eine nachhaltige Bewirtschaftung seines Betriebes bemüht. Seit dem die Harberg KG nun einer von 14 NRW-weiten Leitbetrieben für Biodiversität ist, werden seine zahlreichen Maßnahmen nun offiziell auch gefördert.
(v.L.) Henning Rehbaum, Willi Korth, Caroline Kowoll, Lothar Stumpenhorst, Christoph Tentrup-Beckstedde
Und diese sind vielfältig: Von der Bereitstellung von Blüh- und Uferrandstreifen, dem Schutz von Kiebitz-Nestern, der Heckenpflege, der Anlage von Tümpeln bis hin zum teilweisen Ernteverzicht ein großer Aufwand, der vor allem einem Ziel dient, nämlich Artenschutz von Insekten und Vögeln und Ackerbau in Einklang zu bringen. „75 Vogelarten wurden hier inzwischen gezählt, mehr als ich wahrscheinlich kenne“, schmunzelt Stumpenhorst über seinen Erfolg.

Ein Grund für Willi Korth, ehemaliger Verwalter eines landwirtschaftlichen Betriebes in Coesfeld und jetziger CDU-Abgeordneter im Umwelt- und Landwirtschaftsauschuss des Landtags, mit der zuständigen Beraterin von der Landwirtschaftskammer, Caroline Kowol, in Beckum vorbei zu schauen. In Begleitung der zwei Landwirte und des heimischen Landtagsabgeordneten Henning Rehbaum besichtigte man den bei einem Außentermin den Betrieb: „Wir freuen uns über jede Maßnahme, die Landwirtschaft und ökologische Vielfalt in Einklang bringt“, erklärte dabei Agrarpolitiker Korth. Wobei neben dem Artenschutz immer darauf geachtet werden müsse, dass die Bauern von ihren Betrieben leben können und ihr Berufsstand für die junge Generation attraktiv bleibt, ergänzte Rehbaum. Anforderungen, die die Leitbetriebe erfüllen können, wie Caroline Kowol ausführte. „Im Rahmen des Vertragsnaturschutzes verpflichten sich die Landwirte zu besonderen Maßnahmen zur Sicherung der Artenvielfalt. Gleichzeitig erhalten sie dann eine flächenabhängige Landesförderung, die sie für Ernteausfälle und andere Einsätze entschädigt.“ Ein Konzept, von dem die beiden Betreiber überzeugt sind: „Wir Landwirte unterstützen den gesellschaftlichen Konsens in Sachen Naturschutz. Jeder wird verstehen, dass nicht sämtliche Kosten bei uns hängen bleiben können“, so Tentrup-Beckstedde. Der Vertragsnaturschutz schaffe hier einen angemessenen Ausgleich. „Es kommt doch darauf an, dass wir im Naturschutz alle mitnehmen und vor allem nicht ideologisch, sondern mit Augenmaß vorgehen“, forderte Rehbaum. „Der Artenschutz muss in die landwirtschaftlichen Flächen und Betriebsabläufe integriert werden. Die Beckumer Landwirte zeigen, dass das möglich ist“, skizzierte Korth das Ziel, wobei auch er den Vertragsnaturschutz hier als eines der zentralen Mittel ansehe.